20.08.03 Rhpf CDU und Kur und HeilwaldCDU will Bereiche des Haßlocher Walds als gesundheitsfördernden Therapieraum ausweisen lassen – Prüfung beantragt

Von Gerd-Uwe Haas

Wälder in Rheinland-Pfalz sollen nach dem neuen Landeswaldgesetz zu „Kur- und Heilwäldern“ erklärt werden können. Das sind Gebiete, die eine gesundheitsfördernde Breitenwirkung entfalten und als Therapieraum für Patienten mit speziellen Indikationen dienen. Die CDU beantragt, zu prüfen, ob im Bereich des Rehbachs und an anderen geeigneten Stellen im Haßlocher Forst ein Kur- und Heilwald ausgewiesen werden kann.

Beim Ostseebad Heringsdorf auf der Insel Usedom besteht auf 187 Hektar seit 2017 der erste Kur- und Heilwald Europas und Deutschlands. Laut Bäderverband Mecklenburg-Vorpommern soll der dortige Küstenwald bei Erkrankungen der Atemwege, der Haut und des Bewegungsapparates, bei psychosomatischen Erkrankungen wie Burnout, Schlaflosigkeit, Depressionen und Erschöpfungszuständen helfen und die Stärkung des Herz-Kreislaufsystems unterstützen. Behandlungen mit geschulten Therapeuten in Heilwäldern sollen Erkrankungen und Behinderungen sowie psychische Störungen günstig beeinflussen und chronische Krankheiten lindern.

In Rheinland-Pfalz sieht das neue Landeswaldgesetz vor, künftig Wälder als Kur- und Heilwälder zu gestalten. Die waldreiche Stadt Lahnstein bei Koblenz will einen hoch gelegenen Forst mit alten Eichenbeständen als erste Kommune in Rheinland-Pfalz als Kur- und Heilwald ausweisen lassen. Die Unterlagen für eine Anerkennung hat die Stadt Anfang Juli an Innenminister Roger Lewentz übergeben. Entsprechende Überlegungen laufen derzeit auch in Bad Dürkheim.

Die Haßlocher CDU sieht Chancen, auch in den Waldgebieten am Rehbach und in anderen Bereichen des Haßlocher Forsts einen Kur- und Heilwald zu schaffen. Die CDU-Ratsmitglieder Katharina Schuler und Daniel Mischon stellten im Gespräch mit der RHEINPFALZ einen entsprechenden Prüfantrag an die Verwaltung vor. Mit der Ausweisung eines Kur- und Heilwalds im Bereich des Haßlocher Walds könne die Gemeinde eine Vorreiterrolle in der Region einnehmen und zur Attraktivierung Haßlochs als touristisches Ziel und zur Naherholung beitragen, so die CDU-Vertreter. Geprüft werden sollten eine Zusammenarbeit mit dem Kneipp-Verein und therapeutischem Fachpersonal sowie die Frage, ob Landeszuschüsse möglich seien. Noch nicht besprochen und abgestimmt sei der Antrag mit der Forstverwaltung. Die Rolle des Waldes als Wirtschaftsfaktor müsse berücksichtigt werden.

Schuler wies auf eine Reihe von Mindestkriterien hin, die erfüllt sein müssten. Dazu gehörten unter anderem ein gepflegter, naturnaher Wald, eine verkehrsberuhigte Lage, eine gesundheitsorientierte Einrichtung in der Umgebung und eine emissionsarme Waldluft. Ein gekennzeichnetes Wegenetz, Infotafeln zum Pflanzen- und Baumbestand, Anleitungen für spezielle körperliche oder meditative Übungen zur Gesundheitsförderung nannte sie als weitere Voraussetzungen. Das Wegenetz müsse unversiegelt sein, die Strecken behindertenfreundlich und rollstuhlgerecht, außerdem mit Sitzgelegenheiten, Flächen zur Entspannung und Bewegung sowie Gehtrainingsmöglichkeiten ausgestattet sein. Als Fachpersonal gelten Klima-, Physio- und Psychotherapeuten.

Daneben gebe es auch Optimalkriterien wie die Nähe zu einem Gewässer, eine gastronomische Einrichtung am Waldrand, einen Pfad zur Sinneswahrnehmung, einen Waldlehrpfad sowie abschnittsweise beleuchtete und mit Handlauf ausgestattete Wege. Auch Waldpädagogik werde hier aufgeführt.

Schuler und Mischon sind der Ansicht, dass ohne größere Umbaumaßnahmen aus einem Teil des Haßlocher Waldes ein Kur- und Heilwald werden könne. Die Kriterien könnten erfüllt werden. Der Bachlauf des neuen Rehbachs könne und solle dabei einbezogen werden. Vor dem Hintergrund des derzeitigen Baus der neuen Trasse wäre es nach Ansicht der CDU-Vertreter wichtig, jetzt in die Planung eines Kur- und Heilwalds einsteigen zu können.

Quelle: Die Rheinpfalz Mittelhaardter Rundschau - Nr. 178, Montag, 3. August 2020, Seite 14